Warum meine Hydrolate anders sind...
Vor einigen Tagen stand ich wieder vor meinem Rosmarin.
Nicht im Gewächshaus und nicht auf einem Feld am anderen Ende Europas.
Sondern in meinem Garten.
Ich beobachte ihn das ganze Jahr. Ich sehe, wann er besonders kraftvoll wächst, wann sein Duft am intensivsten ist und wann der richtige Zeitpunkt für die Ernte gekommen ist.
Und genau dort beginnt für mich ein Hydrolat. Nicht erst in der Destille, sondern bei der Pflanze.
Meine erste Destillation war eine Räuchermischung, die ich mir selber zusammengestellt habe. Damals suchte ich nach einer Möglichkeit, den Duft der Pflanzen in einem Raum zu verteilen, ohne Rauch zu erzeugen.
Was als Experiment begann, wurde zu einer Leidenschaft.
Denn mit jeder Destillation wurde mir klarer:
Hydrolate sind weit mehr als Pflanzenwasser.
Sie sind lebendig, entstehen durch einen natürlichen Prozess aus Wasser, Pflanze und Feuer und Zeit.
Nichts wird synthetisch erzeugt, nichts wird zusammengesetzt und nichts entfernt.
Die Pflanze gibt ab, was sie geben möchte, und das Wasser nimmt es auf.
Immer wieder staune ich darüber, wie unterschiedlich Pflanzen auf die Destillation reagieren.
Jede Destillation ist ein wenig wie eine Begegnung.
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Wenn ich destilliere, habe ich oft das Gefühl, auf den Spuren der weisen Frauen und Männer zu sein. Unsere Vorfahren, die Pflanzen über Jahrhunderte begleitet, beobachtet und verarbeitet haben.
Menschen, die wussten, dass Pflanzen Begleiter sein können und Geschichten erzählen. Und dass sie etwas in uns berühren können. Früher sagte man, die Pflanzen haben einen Virtus (=Tugend oder geistige Kraft), für mich ist es das Wesen.
Hydrolate waren lange Zeit ein selbstverständlicher Teil dieser Pflanzenkultur.
Mit der Entdeckung und dem wirtschaftlichen Erfolg der Parfümindustrie rückten die ätherischen Öle immer stärker in den Mittelpunkt und die Hydrolate gerieten in den Hintergrund.
Sie haben es verdient, wieder in Erinnerung gebracht zu werden.
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Viele Menschen denken bei einem Hydrolat an ein Nebenprodukt der Ölgewinnung, doch nicht bei mir:
Ich destilliere nicht für das ätherische Öl. Ich destilliere für das Hydrolat.
Das Hydrolat ist für mich nicht das Nebenprodukt. Es ist das Herzstück.
Deshalb entferne ich die ätherischen Öle nicht und verkaufe sie nicht separat.
Was die Pflanze während der Destillation schenkt, darf zusammenbleiben.
Auf manchen meiner Hydrolate ist die Ölschicht deutlich sichtbar.
Gerade das macht ihre Ursprünglichkeit aus.
Nichts wird entnommen.
Nichts wird standardisiert.
Nichts wird nachträglich wieder zusammengesetzt.
So entstehen meine Primärhydrolate.
Jede Flasche trägt das Naturell der Pflanze in sich – so ursprünglich, wie sie aus der Destille kommt.
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Ein Teil der Pflanzen wächst in meinem eigenen Garten.
Ich begleite sie durch die Jahreszeiten, beobachte ihr Wachstum und ernte achtsam zum passenden Zeitpunkt. Ich begegne den Pflanzen aus denen meine Hydrolate entstehen.
Andere Pflanzen kaufe ich bewusst bei ausgewählten Gärtnern und Anbauern zu.
Auch dort interessiert mich nicht nur die Pflanze selbst, sondern ihr Weg.eite nicht mit anonymen Rohstoffen.
Jede Charge erzählt ihre eigene Geschichte.
Der Frühling duftet anders als der Sommer.
Ein trockenes Jahr bringt andere Nuancen hervor als ein regnerisches.
Manche Pflanzen zeigen sich sanft und zurückhaltend.
Andere kraftvoll und präsent.
Diese Unterschiede möchte ich nicht ausgleichen.
Ich möchte sie bewahren.
Denn genau darin liegt für mich die Schönheit echter Pflanzenarbeit.
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Was Menschen an Hydrolaten so schätzen, ist ihre Vielseitigkeit.
Sie können als feiner Duftnebel im Raum verwendet werden, in der Küche, in persönlichen Ritualen oder einfach als täglicher Begleiter.
Ich selbst erlebe immer wieder, wie ein einziger Duft die Wahrnehmung verändern kann.
Ein Sprühstoß Douglasie entführt mich in die Frische eines Waldes und klärt meine Gedanken. Ein paar Schlücke Wasser mit Pfefferminzhydrolat erinnert mich an die Freiheit meiner Entscheidungen. Und schmeckt einfach himmlisch. Ein Moment der Aufmerksamkeit in einem oft hektischen Alltag.
Hydrolate erinnern uns daran, dass die Natur nicht weit entfernt ist.
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Nach der Destillation werden die Hydrolate von Hand abgefüllt. In Miron-Violettglas ab, das ihren Inhalt vor Licht schützt und ihre Qualität bewahrt.
Jede Flasche geht durch meine Hände und jedes Etikett wird einzeln angebracht.
Es gibt keine industrielle Abfüllstraße.
Nur Pflanze, Wasser, Feuer, Kupfer und Zeit.
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Manchmal werde ich gefragt, warum meine Hydrolate teurer sind als viele andere.
Die Antwort ist einfach.
Weil hinter jeder Flasche weit mehr steckt als die Zeit der Destillation.
Da sind die Monate der Pflanzenpflege.
Die sorgfältige Auswahl jeder Pflanze.
Die achtsame Ernte.
Die kleine Destille.
Die Handarbeit.
Die bewusste Entscheidung, die Destillation vollständig zu erhalten.
Und die Zeit, die jede einzelne Charge bekommen darf.
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Wenn ich ein gelungenes Hydrolat in den Händen halte, erfüllt mich das mit Freude und auch mit ein wenig Stolz.
Nicht, weil ich etwas hergestellt habe.
Sondern weil ich etwas bewahren durfte.
Den Duft einer Pflanze.
Ihr Naturell.
Hydrolate laden uns ein, langsamer zu werden, bewusster wahrzunehmen.
Und der Pflanze wieder zu begegnen, aus der sie entstanden sind.
Genau das möchte ich mit meinen Hydrolaten weitergeben.
Flasche für Flasche.
Von Herzen,
Tanja Voß/Wasserbrennerin

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