Kräutertee selber mischen - Was eine gute Teemischung ausmacht
Kräutertee ist weit mehr als heißes Wasser mit ein bisschen Geschmack. Er ist ein wässriger Pflanzenauszug und kann, richtig zusammengestellt und zubereitet, zu einer Arznei werden.
Arzneiteemischungen aus der Apotheke sind mittlerweile sehr teuer geworden. Es lohnt sich also, sich mit den Kräutern und ihren Eigenschaften zu beschäftigen und eigene Teemischungen herzustellen. Und außerdem macht das Mischen unglaublich viel Spaß!
Bei unserem Neumondtreffen haben wir uns genau damit beschäftigt: Was braucht eine gute Teemischung? Welche Pflanzen passen zusammen? Wie lassen sich Wirkung, Geschmack und Aussehen miteinander verbinden? Und warum entmischt sich manche Teemischung bereits in der Tüte?
Am Anfang steht eine Frage
Wenn ich einen Tee mischen möchte, beginne ich immer mit drei Fragen:
Was soll mein Tee können? Wie soll er aussehen? Wie soll er schmecken?
Bevor ich die Pflanzen auswähle, überlege ich also, welche Aufgabe die Mischung erfüllen soll. Erst danach entscheide ich, welche Kräuter dafür infrage kommen.
Dabei gibt es eine wichtige Voraussetzung: Verwende ausschließlich Kräuter, die Du sicher erkennst und die als Teedrogen geeignet sind.
Nicht jede Pflanze, die eine arzneiliche Wirkung besitzt, eignet sich auch für einen Tee. Manche Pflanzen sind giftig, bei anderen entscheidet die Dosierung darüber, ob sie hilfreich oder schädlich sind.
Maiglöckchen, Bilsenkraut, Fingerhut, Stechapfel und Tollkirsche gehören beispielsweise nicht in eine selbst zusammengestellte Teemischung.
Auch bei Arzneipflanzen wie Faulbaumrinde, Senna, Bärentraubenblättern, Wermut und Süßholz gibt es besondere Anwendungsgrenzen. Bei Kamille sollte eine mögliche Korbblütlerallergie berücksichtigt werden.
Gegenanzeigen, gleichzeitig eingenommene Medikamente, Schwangerschaft, Alter und Anwendungsdauer müssen ebenfalls beachtet werden.
Lassen sich die wertvollen Inhaltsstoffe überhaupt in Wasser lösen?
Eine weitere Frage wird beim Teemischen gerne übersehen: Sind die Inhaltsstoffe, die ich nutzen möchte, überhaupt wasserlöslich?
Denn nicht jede wertvolle Pflanzenverbindung lässt sich mit heißem Wasser ausziehen.
Einige Beispiele:
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Johanniskraut: Das Hypericin ist nicht wasserlöslich.
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Mariendistel: Das für die Leberpflege interessante Silymarin ist nicht wasserlöslich.
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Kurkuma: Das entzündungshemmende und antioxidative Curcumin ist ebenfalls nicht wasserlöslich.
Wenn wir diese Inhaltsstoffe nutzen möchten, brauchen wir eine andere Zubereitung als einen gewöhnlichen Kräutertee.
Die vier Aufgaben der Kräuter in einer Teemischung
Beim Mischen hilft mir ein einfaches Modell. Die verschiedenen Pflanzen übernehmen unterschiedliche Aufgaben.
Dabei kann eine Pflanze durchaus mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Eine Rose kann beispielsweise Begleitpflanze, Geschmackskorrigens und Schmuckdroge sein. Melisse kann sowohl die Basis bilden als auch durch ihre voluminösen Blätter zur Struktur der Mischung beitragen.
Eine gute Teemischung muss deshalb keineswegs aus zehn verschiedenen Kräutern bestehen. Viel wichtiger ist, dass die Pflanzen sinnvoll ausgewählt werden und sich möglichst gegenseitig unterstützen.
1. Die Basispflanze – sie trägt die Mischung
Die Basispflanze bestimmt das Thema und die Hauptrichtung des Tees. Meist macht sie einen größeren Anteil der Mischung aus.
Die entscheidende Frage lautet:
Welche Pflanze trägt meine Mischung?
Das könnte beispielsweise Melisse für einen entspannenden Tee sein, Thymian für einen Atemwegstee oder Brennnessel für eine entsprechende Frühjahrsmischung.
2. Die Begleitpflanzen – sie ergänzen die Basis
Begleitpflanzen unterstützen oder ergänzen die Eigenschaften der Basispflanze.
Dabei müssen sie nicht einfach dasselbe können. Oft ist es viel sinnvoller, wenn sie andere Eigenschaften mitbringen.
Die Frage lautet deshalb:
Was fehlt meiner Basispflanze noch?
Nehmen wir einen Atemwegstee mit Thymian als Basis. Spitzwegerich und Eibisch können ihn sinnvoll ergänzen. Hier werden nicht einfach drei Pflanzen mit identischen Eigenschaften kombiniert, sondern unterschiedliche Inhaltsstoffgruppen und Wirkungen zusammengebracht.
3. Geschmack und Aussehen – auch das gehört zu einem guten Tee
Ein Tee soll nicht nur seine Aufgabe erfüllen. Er darf auch gut schmecken und schön aussehen.
Für eine geschmackliche Verbesserung oder eine besondere aromatische Note eignen sich beispielsweise Pfefferminze, Zitronenverbene, Süßholz, Fenchel, Anis oder Zimt.
Für das Aussehen können Rose, Kornblume, Ringelblume oder Malve eingesetzt werden.
Aber Achtung: Eine Schmuckdroge sollte die Rezeptur nicht verschlechtern, nur damit der Tee hübscher aussieht.
Und gerade bei Süßholz oder stark aromatischen Pflanzen gilt: Nur weil eine Pflanze den Geschmack verbessert, darf sie nicht automatisch in beliebiger Menge eingesetzt werden.
4. Füll- und Stabilisierungsdrogen – damit die Mischung zusammenbleibt
Manche Kräuter werden eingesetzt, um der Mischung mehr Volumen und eine günstigere Struktur zu geben.
Das ist besonders wichtig, wenn kleine, schwere Pflanzenteile mit großen, leichten Blättern kombiniert werden. Solche Mischungen neigen dazu, sich zu entmischen.
Mildere, voluminöse Blattdrogen können dabei helfen, die Unterschiede zwischen den einzelnen Bestandteilen auszugleichen.
Ein Beispiel aus meiner Wasserbrennerei: Wie die „Sanfte Mitte“ entstanden ist
Wie diese Überlegungen in der Praxis aussehen, möchte ich Dir an meiner Teemischung „Sanfte Mitte“ zeigen.
Sie ist entstanden, als ich nach einer wohltuenden Mischung für meinen angegriffenen Magen suchte.
Die Basis: Kamille
Als Erstes kam mir die Kamille in den Sinn. Aus meiner Ausbildung kannte ich sie als Bestandteil einer sogenannten Rollkur.
Dabei wird morgens auf nüchternen Magen eine Tasse Kamillentee getrunken. Anschließend legt man sich wieder ins Bett und bleibt jeweils zehn Minuten auf dem Rücken, auf der linken Seite, auf dem Bauch und auf der rechten Seite liegen.
So soll die Magenschleimhaut von allen Seiten gut mit dem Kamillentee in Kontakt kommen.
Kamille wirkt entzündungshemmend, krampflösend und beruhigend. Damit war sie für mich die passende Basispflanze.
Die Begleitpflanze: Pfefferminze
Als Nächstes wollte die Pfefferminze mit hinein.
Auch sie wirkt krampflösend auf die glatte Muskulatur des Verdauungstraktes. Gleichzeitig übernimmt sie noch zwei weitere Aufgaben: Ihre Blätter bringen Volumen in die Mischung und ihr frisches Aroma verbessert den Geschmack.
Für den Geschmack: Süßholzwurzel
Nun brauchten sowohl Geschmack als auch Aussehen der bisherigen Mischung noch ein kleines Update.
Deshalb kam die Süßholzwurzel dazu. Sie bringt eine angenehme süße Note mit und enthält außerdem Glycyrrhizin, einen für die Schleimhäute interessanten Inhaltsstoff mit schützenden Eigenschaften.
Bei Süßholz ist die Dosierung besonders wichtig. Für meine Mischung habe ich die eingesetzte Menge deshalb berechnet und die Höchstdosierung von 5–10 g Süßholzwurzel pro Tag berücksichtigt.
Für die Schönheit: Malvenblüten
Zum Schluss fehlte mir noch ein farblicher Tupfer.
Ich entschied mich für Malvenblüten. Sie bringen ein interessantes Farbspiel in die trockene Mischung und auch beim Aufbrühen.
Aber die Malve kann viel mehr, als hübsch auszusehen. Sie gehört zu den Schleimdrogen und ist eine Wohltat für gereizte Schleimhäute.
So entstand eine Mischung aus vier Pflanzen, von denen jede ihre eigene Aufgabe erfüllt – und manche sogar mehrere gleichzeitig.
Die richtige Zubereitung entscheidet mit
Wenn die Pflanzen ausgewählt sind, stellt sich eine weitere wichtige Frage:
Passen die Zubereitungsweisen der einzelnen Kräuter überhaupt zusammen?
Denn ein wässriger Pflanzenauszug kann auf unterschiedliche Weise hergestellt werden. Je nach Temperatur und Auszugsdauer lösen sich unterschiedliche Inhaltsstoffe.
Grundsätzlich unterscheiden wir drei Zubereitungsarten.
Dekokt – die Abkochung
Für ein Dekokt werden die Pflanzen mit kaltem oder warmem Wasser angesetzt und ungefähr zehn Minuten geköchelt. Anschließend wird abgeseiht.
Diese Zubereitung eignet sich besonders für einige Wurzeln und Rinden.
Allerdings gibt es Ausnahmen, beispielsweise Eibisch- und Süßholzwurzel.
Bei gerbstoffreichen Rinden kann es außerdem sinnvoll sein, statt einer Abkochung einen heißen Aufguss herzustellen. So lässt sich vermeiden, dass die möglicherweise reizenden Eigenschaften der Gerbstoffe zu stark in den Vordergrund treten – sofern genau diese Wirkung nicht gewünscht ist.
Kaltmazerat – der Kaltauszug
Beim Kaltmazerat werden die Pflanzen mit kaltem Wasser angesetzt, mehrere Stunden bei Raumtemperatur ausgezogen und anschließend abgeseiht.
Das ist besonders bei stärkereichen Drogen wie der Eibischwurzel interessant.
Durch das Erhitzen kann die Stärke an der Oberfläche verkleistern. Dadurch wird die Extraktion der Inhaltsstoffe aus dem Inneren erschwert.
Andere schleimhaltige Pflanzen, beispielsweise Malven- oder Eibischblätter, müssen dagegen nicht zwingend kalt ausgezogen werden.
Infus – der heiße Aufguss
Beim Infus werden die Kräuter mit heißem Wasser übergossen und je nach Pflanze einige Minuten ziehen gelassen.
Wie lange der Tee ziehen sollte, hängt auch davon ab, welche Inhaltsstoffe wir lösen möchten.
Besonders für Pflanzen mit ätherischen Ölen ist der Infus geeignet.
Beim längeren Kochen würden sich die flüchtigen Bestandteile teilweise verflüchtigen. In kaltem Wasser werden sie dagegen nur unzureichend gelöst.
Der Infus ist deshalb für viele der gebräuchlichen Teekräuter die passende Zubereitungsart.
Warum entmischt sich eine Kräuterteemischung?
Vielleicht hast Du es schon einmal beobachtet: Du mischst Deine Kräuter sorgfältig, füllst sie in eine Tüte und nach einiger Zeit liegen die schweren Bestandteile unten, während sich die großen, leichten Blätter oben sammeln.
Das nennt man Entmischung.
Die Ursache liegt vor allem in den unterschiedlichen Größen, Formen und Dichten der Pflanzenteile. Kleine Teilchen können zwischen größeren Bestandteilen nach unten wandern.
Um das zu vermeiden, gibt es einige praktische Möglichkeiten:
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Die Schnittgrößen der Kräuter möglichst aneinander angleichen.
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Den Anteil sehr feiner Pflanzenteilchen begrenzen.
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Kleine Bestandteile zunächst mit einem Teil der Hauptdroge vormischen.
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Die fertige Mischung schonend wenden, statt sie kräftig zu schütteln.
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Beim Abfüllen immer wieder nachmischen.
Eine Apothekerin erzählte mir außerdem von einer interessanten Erfahrung: Raue oder behaarte Blätter, beispielsweise von Himbeere, Brombeere, Eibisch oder Salbei, können sich miteinander verhaken und so den Zusammenhalt einer Mischung verbessern.
Auch klebrige Bestandteile wie zerkleinerte Rosinen wurden früher zur Bindung empfohlen. Dabei aber immer beachten, dass die Mischung dadurch Feuchtigkeit und Zucker enthlt, was die Haltbarkeit beeinflussen kann.
Ein Arzneitee ist kein gewöhnliches Alltagsgetränk
Zum Schluss noch ein Gedanke, der mir besonders wichtig ist:
Wenn Dein Tee ein Arzneitee sein soll, dann verwende ihn auch bewusst als Arznei.
Wende eine solche Mischung nur einige Tage an und lege anschließend eine Pause ein oder wechsle die Mischung.
So wird aus dem täglichen Teetrinken eine bewusste Anwendung der Pflanzen und ihrer Eigenschaften.
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Dieser Beitrag ist aus unserem gemeinsamen Neumondtreffen entstanden.
Bei diesen Treffen beschäftigen wir uns mit Pflanzen, ihren Eigenschaften und den vielen Möglichkeiten, sie im Alltag zu verwenden.
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